Wasser-Becken
Zwei Becken, eins das andre übersteigend
als einem alten runden Marmorrand
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,
dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;
(R. M. Rilke aus „Römische Fontäne“)
„…
Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Ozean, gönn uns dein ewiges Walten.
Wenn du nicht Wolken sendetest,
Nicht reiche Bäche spendetest,
Hin und her nicht Flüsse wendetest,
Die Ströme nicht vollendetest,
Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?
Du bist’s, der das frischeste Leben erhält.“
(Thales in Goethes Faust, Teil II)
Brunnen
Ganz verschollne ist die alte,
holde Brunnenpoesie,
da aus Tritons Muschelspalte
eine klare Quelle lallte,
die den Gassen Sprache lieh.
Abends bei dem Röhrenkasten
sammelte sich Paar um Paar,
weil der Quelle lieblich Glasten
und ihr Laut der tiefgefaßten
Neigung süßes Omen war.
Aber als durch Menschenmühn dann
Wasser treppenaufwärts stieg
und kein Paar kam: Misogyn dann
ward der Gott; es schlich sich Grünspan
in die Muschel, - und er schwieg.
(R. M. Rilke)
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
(J. W. von Goethe, Gesang der Geister über den Wassern)
Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.
Daß Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.
(Laotse: Tao te king)
Höchste Güte ist wie das Wasser.
Des Wasser Güte ist, allen Menschen zu nützen ohne Streit.
Es weilt an Orten, die alle Menschen verachten.
Drum steht es nahe dem SINN.
(aus einem chinesischen Gedicht)
…
Denn unter mir lag’s noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und obs hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie’s von Salamandern und Molchen und Drachen
Sich regt’ in dem furchtbaren Höllenrachen
Schwarz wimmeln da, in grausem Gemisch,
Zu scheußlichen Klumpen geballt,
Der stachligte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers gräuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.
…
(F. Schiller aus „Der Taucher“)
Im zarten Mondlicht
Rinnt Wasser durch die Nacht noch
Vom Wäschewalkblock.
(Rankô)
Ein Strom entrauscht umwölktem Felsensaale,
Dem Ozean sich eilig zu verbinden;
Was auch sich Spiegeln mag von Grund zu Gründen,
Er wandelt unaufhaltsam fort zu Tale.
Dämonisch aber stürzt mit einem Male -
ihr folgen Berg und Wald in Wirbelwinden -
Sich Oreas, Behagen dort zu finden,
Und hemmt den Lauf, begrenzt die weite Schale.
Die Welle sprüht und staut zurück und weichet
Und schwillt bergan, sich immer selbst zu trinken;
Gehemmt ist nun zum Vater hin das Streben.
Sie schwankt, und ruht, zum See zurückgedeichet;
Gestirne, spiegelnd sich, beschaun das Blinken
Des Wellenschlags am Fels, ein neues Leben.
(J. W. von Goethe, Mächtiges Überraschen)
„Je zivilisierter, desto sterilisierter“,
sagte ich ihnen immer wieder.
Und „Hopp, hopp, hopp!
Bazillchen lauf Galopp!
Hier bei uns gedeihst du nimmer,
marsch ins Klo und Badezimmer!“
(A. Huxley, Schöne neue Welt)
Ein Vogel schrie auf
Und dunkler rauscht das Wasser
Nun um die Reusen…
(Buson)
Drum ist ein Jauchzen sein Wort.
Nicht liebt er, wie andere Kinder,
In Wickelbanden zu weinen;
Denn wo die Ufer zuerst
An die Seit ihm schleichen, die krummen,
Und durstig umwindend ihn,
Den Unbedachten zu ziehn
Und wohl zu behüten begehren
Im eignen Zahne, lachend
Zerreißt er die Schlangen und stürzt
Mit der Beut und wenn in der Eil
Ein Größrer ihn nicht zähmt,
Ihn wachsen lässt, wie der Blitz, muß er
Die Erde spalten, und wie Bezauberte fliehn
Die Wälder ihm nach und zusammensinkend die Berge.
(F. Hölderlin, Der Rhein)
ebbeebbeebbeebbeebbeflut
ebbeebbeebbeebbeebbeebbe
ebbeebbeebbeebbeebbeflut
ebbeebbeebbeebbefluuuuut
ebbeebbeebbefluuuuuuuuut
ebbeebbefluuuuuuuuuuuuut
ebbefluuuuuuuuuuuuuuuuut
fluuuuuuuuuuuuuuuuuuuuut
ebbefluuuuuuuuuuuuuuuuut
(E. Jandl, Der künstliche Baum)
Ein See, vom grauen Blute
des Herbstes ganz vergiftet,
machte mich krank
Vergrämt empfing das Ufer,
glückleer und laubbeworfen,
wie Gräbererde meinen Schritt.
Dann kam in einem Park ein Beet;
das überblüte das ganze Elend,
den See, die Wolken und den Sturm im Garten
und schrie: ich bin ganz unvernichtbar!
Ich versenge dem Tod seine kalte Fratze.
Wie alles Rote, Glut und Flammenhafte
aus meinen Schenkeln hurt!
Grüß Gott!
(G. Benn, Blumen)
Da flattert um die Quelle
Die wechselnde Libelle,
Der Wasserpapillon,
Bald dunkel und bald helle
Wie ein Chamäleon;
Bald rot und blau, bald blau und grün,
O daß ich in der Nähe
Doch seine Farben sähe!
Da fliegt der Kleine vor mir hin
Und setzt sich auf die stillen Weiden.
Da hab’ ich ihn, da hab ich ihn!
Und nun betracht’ ich ihn genau
Und seh ein traurig dunkles Blau.
So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden!
(J. W. von Goethe, Die Freuden)
Wasserrosen
(nach einem Bild)
Den Herbstwald fegt ein frischer Wind.
Das Wasser aus den Tümpeln verrinnt.
Flußuferwärts die Wasserrosen,
Von Wellen gewiegt, die Wellen liebkosen.
Halt Rast und sieh, wie der Herbst sie greift,
Daneben die dorrenden Astern bereift.
Die zarten Gesichter anmutig sich neigen,
Als mühten sie sich, ein Lächeln zu zeigen.
Doch ungerührt von der lieblichen Trauer
Naht ihnen die Kühle mit fröstelndem Schauer.
(China)
Ein ganzer Topf voll
Vergossne Indigos:
Der Fluß im Frühling!
(Shiki)
Den Klee des Sommers
Am schmalen Pfad der Regen
Zu Tode trommelt.
(Kinya)
Ein ganzer Topf voll
Vergoßner Indigos:
Der Fluß im Frühling!
(Shiki)