Als Thalassotherapie (gr. thalassa = Meer) bezeichnet man die Behandlung von Krankheiten mit Meerwasser – kalt oder erwärmt, Meersluft, Sonne, Algen, Sand und Schlick.
Nachdem 1750 der englische Arzt Richard Russell eine Doktorarbeit über die therapeutische Wirkung von Meerwasser bei Infektionskrankheiten verfasste, fand dieses Verfahren im 18. Jahrhundert allgemeine Anerkennung in Westeuropa, hier besonders in Frankreich.
1793 wurde in Deutschland das erste Seeheilbad – Heiligendamm – gegründet. Wegen der breiten Verfügbarkeit neuer Medikamente, aber auch wegen der hohen Kosten, verlor die Thalassotherapie nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung.
Heute wird die Thalassotherapie in medizinischen Instituten zu Behandlung von Atemwegserkrankungen, Rheuma und chronischen Hautkrankheiten genutzt, ebenso finden sich Angebote für Urlauber, die sich an Wellness und Gesundheit orientieren.
Thalasso-Einrichtungen gibt es in Deutschland an der Ost- und Nordsee; auf Norderney befindet sich Deutschlands größtes Thalasso-Zentrum.
Da es keinen Schutz für den Begriff Thalasso gibt, findet man auch im Binnenland Thalasso-Anwendungen mit Meersalzprodukten und getrockneten Algen. Aus diesem Grund hat der Verband deutsche Thalasso-Zentren 2002 für seine Mitglieder verbindliche Kriterien für eine „echte“ Thalassotherapie übernommen, die wichtigsten davon sind:
1. Die Einrichtung darf maximal 300 Meter vom Meer entfernt sein
2. Die Behandlung muss mit frischem, unbehandeltem Meerwasser erfolgen
3 .Es müssen mindestens ein Meerwasserbecken und genügend Behandlungskabinen existieren, so dass jedem Gast täglich drei Einzelbehandlungen angeboten werden können
4. Es muss mindestens ein Badearzt verfügbar sein, ebenso Masseure, Therapeuten und Sportlehrer
5. Hygiene und Sicherheit müssen ständig kontrolliert werden
6. Weitere gesundheitsfördernde Aktivitäten werden angeboten
Allergenarme, reine Seeluft, Heliotherapie mit natürlicher Sonnenbestrahlung und Bewegungsangebote am Meeresufer sind die Anforderungen, die darüber hinaus der Europäische Heilbäderverband stellt.
Elemente einer Thalasso-Kur, die in der Regel eine Woche dauert, sind u. a. die Hydrotherapie, Bäder, Schlick- und Algenpackungen sowie Wassergymnastik.
Bei Beschwerden wie z. B. Rheuma, Rückenproblemen, Stress oder allgemeinen Erschöpfungszuständen wird häufig eine medizinische Thalasso-Kur angewandt:
Thalasso im Bereich der Wellness dient nur der Entspannung.
Thalasso ist allerdings nicht für jeden geeignet; bei Erkrankungen wie Jod-Allergie, Schilddrüsenüberfunktion, Kreislaufschwäche und Krebserkrankungen, allerdings auch bei Schwangerschaft sollte man sich vorher durch einen Arzt beraten lassen.