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Sebastian Anton Kneipp wurde am 17.05.1821 in Stephansried geboren. Er war ein bayerischer Priester und Hydrotherapeut. Er verstarb am 17.06.1897 in Wörishofen.

Er ist der Namensgeber der Kneipp-Medizin sowie der Wasserkur mit Wassertreten. Letztere wurde zwar schon früher angewandt, ist aber erst durch ihn richtig bekannt geworden.

Er war von fünf Kindern der einzige Sohn des Webers Xaver Kneipp und dessen Frau Rosina. Nachdem er bei einem Brand sein Elternhaus sowie seine gesamten Ersparnisse verlor, verließ er seinen Heimatort und fand in Grönenbach eine Anstellung als Knecht. Später nahm ein Verwandter sich seiner an, indem er ihn in Latein unterrichtete und so auf das Gymnasium vorbereitete. In Grönenbach wurde er durch den Ortspfarrer und Botaniker Christoph Ludwig Koeberlin auch in die Pflanzenheilkunde eingeführt.

Kneipp wurde 1844 in das Gymnasium zu Dillingen aufgenommen, vier Jahre später begann er im selben Ort ein Theologiestudium.

1849, ein Jahr nach Studienbeginn, erkrankte Kneipp an Tuberkulose. Nachdem er zufällig das Buch „Unterricht von der Heilkraft des frischen Wassers“ von Johann Siegmund Hahn fand, badete Kneipp mehrfach einige Augenblicke in der Donau – und wurde wieder gesund. Seitdem waren tägliche Wasseranwendungen ein fester Bestandteil seines Lebens.

Am Georgianum, an welchem er 1850 einen Freiplatz erhalten hatte, um dort sein Studium fortzuführen, behandelte er erstmals heimlich Kommilitonen, die ebenfalls an Tuberkulose erkrankt waren.

1852 bestand er die ärztliche Untersuchung zur Priesterweihe und bekam nach seiner Weihung eine Stellung als Kaplan in Boos.

Im Jahr 1853 wurde Kneipp erstmals angezeigt wegen „Kurpfuscherei“ – er hatte eine cholerakranke Magd mit heißen Wickeln behandelt. Im darauf folgenden Jahr wurde er von einem Apotheker verklagt wegen „Gewerbebeeinträchtigung und Schädigung“. Dem Gericht gegenüber legte Kneipp dar, dass er stets nur Menschen behandelt habe, die entweder nach jahrelanger Behandlung bei Ärzten keine Hilfe gefunden, oder nicht die Mittel hätten aufbringen können, um einen solchen zu konsultieren.

Ihm wurde auferlegt, eine Erklärung zu unterschreiben, dass er in Zukunft auch solchen Personen nicht mehr helfen würde, die angeblich keine ärztliche Hilfe mehr finden würden.

Als im selben Jahr eine Choleraepidemie ausbrach, der auch Kneipps Vater zum Opfer fiel, handelte Kneipp dieser Unterlassungserklärung entgegen und heilte über vierzig erkrankte Personen, was ihm den Beinamen „Cholera-Kaplan“ einbrachte.

Nachdem der Generalvikar beim Bischöflichen Ordinariat auf ihn aufmerksam wurde, wurde Kneipp Ende 1854 nach Augsburg versetzt.

Seit er im 1855 als Beichtvater im Dominikanerinnenkloster in Wörishofen eingesetzt wurde, änderte sich dort das Leben. Er sorgte dafür, dass die Nonnen auf dem Feld arbeiteten, und wandelte die klösterliche Landwirtschaft in einen Großbetrieb um. Immer mehr Hilfesuchende – auch aus wohlhabenderen Kreisen – kamen derweil nach Wörishofen, um sich von ihm behandeln zu lassen.

Während in den folgenden Jahren aufgrund der vielen Kurgäste, die über den Sommer kamen, immer mehr Gasthäuser errichtet wurden, wurde andererseits Kneipp mehrere Male wegen seiner in der Schulmedizin umstrittenen Methoden verklagt.



Als sein Freund und Förderer Prof. Dr. Merkle 1871 unter Wilhelm von Preußen Abgeordneter im Reichstag wurde, setzte er sich für Kneipp ein; so schrieb er 1873 persönlich an Kneipp, um diesem mitzuteilen, dass rückwirkend zum 1. Januar des Jahres auch in Bayern die Kurierfreiheit gelte – ein Gesetz, gegen dass sich Ärztevereinigungen und andere Vertreter der Schulmedizin wandten, in deren Diskussionen häufig Kneipp zentral thematisiert wurde. Diese Kritik hinderte allerdings nicht neue Kurgäste daran, nach Wörishofen zu reisen.

Nachdem er 1883 Dr. Bernhuber, einem jungen Arzt aus Türkheim die Zusammenarbeit anbot – dieser hatte darum gebeten, bei ihm hospitieren zu dürfen – führte er seitdem mit ihm gemeinsam die tägliche Sprechstunde. In dieser Zeit verfasste Kneipp auch das Buch „Meine Wasserkur“, welches 1886 erschien und sein Standardwerk wurde.

Im August 1889 gab es 4000 Heilsuchende in Wörishofen – so viele Gäste konnten in der Stadt nicht untergebracht werden, so dass sie auf umliegende Dörfer ausweichen mussten. Kneipp schrieb ein weiteres Buch – dies trug den Namen „So sollt ihr leben!“. Im Herbst desselben Jahres ließ sich Prinz Rupprecht von Bayern von Kneipp Güsse verabreichen, weitere Adelige und hohe Geistliche folgten.

Weitere Badehäuser wurden in Wörishofen errichtet, und schon im folgenden Jahr kamen 6.000 Gäste, vor denen Kneipp täglich öffentliche Gesundheitsvorträge hielt.

Im Dezember 1890 wurde vom Verleger Ludwig Auer der erste Kneipp-Verein gegründet, bei dem Kneipp selbst Ehrenpräsident war. Schon im Januar darauf erschien die erste Ausgabe des „Kneippblatt“, welches auch heute noch monatlich erscheint (Titel: Kneipp-Journal, Herausgeber: Kneipp-Bund e. V., Bad Wörishofen).

Nachdem im Dezember 1890 Bürgermeister Birk, ein Gegner des Ausbaus zum Kurort, von seinem Amt zurücktrat, veranlasste sein Nachfolter Augustin Huber, ein Befürworter Kneipps, dass mit Unterstützung des Gemeinderats der Kurbetrieb organisiert wurde. Ebenso wurden Bürgersteige und eine Wasserleitung angelegt. Kneipp machte zur Bedingung, dass eine karitative Abteilung eingerichtet, und mittellose Kranke sowie Waisenkinder weiterhin kostenlos behandelt werden sollten.

1892 wurde Dr. Alfred Baumgarten als Badearzt eingestellt, mit fixem Gehalt und der Verpflichtung, arme Patienten kostenlos zu behandeln. Im selben Jahr trafen auch die ersten Patres der Barmherzigen Brüder ein, die von nun an eine immer größere Rolle bei der Unterstützung Kneipps spielten – das Kurhaus Sebastianeum, in dem Kneipp nun seine Sprechstunden entwickelte sich unter der Leitung von Prior Reile zum Beispiel immer mehr zum Mittelpunkt des Kurbertriebes.

Nachdem immer mehr Brüder zuwanderten und dadurch die Dominikanerinnen völlig entlastet wurden, waren auch die letzten Einwände des Bischöflichen Ordinariats beseitigt.

Im Jahr 1893 zählte Wörishofen insgesamt 33.130 Kurgäste.

Nachdem er 1894 erste Anzeichen von Schwäche zeigte, sich zunächst jedoch erholte, war er Anfang 1897 bereits so angegriffen, dass er nicht mehr in der Lage war, seine Wassergüsse selbst vorzunehmen. Während die Laienbewegung und die Ärztefraktion schon um sein Erbe stritten, zog er sich auf sein Zimmer zurück und ließ sich mit Wasseranwendungen behandeln. Nachdem er ablehnte, den mittlerweile festgestellten Tumor operativ behandeln zu lassen, starb Kneipp am 17.60.1897.