StartseiteWasser A-ZWasser - ArtenWasser allgemeinZitate, Aphorismen, GedichteWasser NewsWasser und GesundheitNahrung aus dem Meer – Rezepte

Allgemein:

Startseite

Sitemap

Impressum

Waser - Wie haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte unser Verhältnis und unser Umgang mit diesem Lebensquell verändert! In den frühesten Mythologien sprechen die Menschen von einem grenzenlosen Urgewässer, dem Kosmos in seinem chaotischen Urzustand, aus dem alles entstanden ist. Hier gibt es kein Oben du Unten, nur unermessliche Tiefe. Je nahc Kulturkreis ist dieses URCHAOS von unterschiedlichen göttlichen Wesen erfüllt, beseelt oder überschwebt.

„Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser … Und Gott sprach: es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockne sehe … Und Gott sprach: es wimmle das Wasser von lebendigem Getier und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels“ (1. Buch Mose).

Die Babylonier erzählen vom Muttergeschöpf TIAMAT und dem Vater APSU, Salzwasser und Süßwasser, die sich vereinten und so die erste Götterrasse zeugten. Ihre Nachkommen schufen Himmel und Erde aus dem kosmischen Urmeer.

Nach der indischen Mythologie erwacht BRAHMA, Vishva-Karma, der Schöpfer Gott und große Architekt, alle 4,32 Milliarden Jahre und entsteigt einem Lotus, der sich aus dem Schoß des Urwassers entfaltet. Gemäß einem Urplan aus seiner Erinnerung von früheren Welten lässt er sich das Universum entfalten. Nach der Entstehung schläft er erneut ein und erwacht erst, nachdem die Welten wieder vergangen sind.1

Auch die Gewässer der erschaffenen Welt sind vom göttlichen Wesen beseelt: n der griechischen Mythologie lebt POSEIDON, der Gott des Meeres und Herr der Flüsse, in einem Wasserpalast im Meer und fährt in seinem goldenen Wagen, von weißen Rossen gezogen, über die Wogen durch die sprühende Gischt. Er herrscht über das Auf und Ab der Wellen, Zeichen für das Auf und Ab des Lebens, und glättet die sich aufbäumenden Meerswogen ebenso wie die aufschäumenden Leidenschaften der Menschen.

Flüsse, ihre Täler und Quellen sind bevölkert mit Heerschafen von Göttinnen und Göttern, Najaden, Dryaden und anderen Nymphen. Hilfreich, betörend schön und anmutig, aber auch abstoßend hässlich, furchterregend und zerstörerisch können diese Wesen sein. Sie symbolisieren sowohl die lebensspendende, erhaltende und heilende Kraft des Wassers, als auch seine krankmachende, lebensbedrohende und zerstörerische Gewalt.

Eben diese Flüsse und Quellen, die Wohnungen der Wassergottheiten, sind natürliche Tempel und damit Stätten der Kraft. Man verehrt den Gott und hält die Quelle als seinen Tempel sauber, damit er sich wohlfühle und die Heilkraft des Wassers nicht versiegen lasse. Es gibt Überlieferungen, nach denen man in einen Brunnen nichts hineinwerfen darf, wie er ein Auge Gottes sei. Wenn es auch nicht überall gilt (z. B. am Ganges), so ist doch ein heiliges Wasser meistens ein sauberes Wasser. Wer einen Gott liebt, der wird seinen Tempel achten. So entsteht aus der Verehrung einer Wassergottheit ein „natürliches“ Reinheitsgebot.

Zu Zeiten des griechischen Philosophen und Mathematikers THALES (625 - 545 v. Chr.) beginnt sich ein Wandel in der Beziehung der Menschen zum Wasser anzubahnen. Erstmals wird die rein mythische Betrachtungsweise durch eine der Vernunft, dem Logos zugängliche, ersetzt. Thales liefert die erste stoffliche Erklärung der Natur: Aus der Annahme, dass alles Natürliche aus feuchtem Samen entstehe und der Erkenntnis, dass Wasser der natürliche Urgrund des Feuchten ist, schließt Thales, dass der Rohstoff Wasser der Urgrund allen Seis ist.

Nach Thales verliert das Wasser allmählich seine zentrale Bedeutung. EMPEDOKLES (683 - ca. 420 v. Chr.) stellt erstmalig vier Grundstoffe gleichberechtigt nebeneinander und begründet damit die auch bei uns in esoterischen Zirkeln bis heute erhaltene Vorstellung von den „vier Elementen“ Feuer, Erde, Wasser und Luft. Durch Vereinigung und Abstoßung dieser Elemente entstehend die unterschiedlichen Stoffe. ARISTOTELES (384-322 v. Chr.) erweitert und differenziert diese Naturphilosophie. Nach ihm gibt es vier Eigenschaftskombinationen aus je zwei der vier Ureigenschaften warm, kalt, feucht und trocken. Die Merkmalpaare warm-trocken, warm-feucht, kalt-feucht und kalt-trocken ordnet er den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde zu. Die gegenseitige Umwandlung ist möglich - am ehesten, wenn sie in einer Ureigenschaft übereinstimmen. So wird aus dem kalt-feuchten Wasser beim Verdunsten die warm-feuchte Luft. Die vier Elemente des Aristoteles beherrschen noch die gesamte mittelalterliche Alchemie und spielen z. B. bei dem Arzt, Naturforscher und Philosophen PARACELSUS (1493-1541) eine entscheidende Rolle. Parecelsus, der bereits exakt naturwissenschaftlich arbeitete, aber noch in der Tradition der alten Mythen stand, verband die vier Urstoffe mit Elementargeistern. „Die im Wasser sind Nymphen; die in der Luft sind Sylphen; die in der Erde sind pygmaei; die im Feuer salamandrae … Wiewohl von Wasserleuten Undina deren Nam auch ist und von den Luftleuten silvestres, und von den Begleuten gnomi und vom Feuer mehr vulcani als salamandri … Nach dem Exempel versteht die Undenen, daß sie im Wasser wohnen. Und das Wasser ist ihnen gleich gegeben wie uns die Luft.“ 2

Der irische „skeptische Chemiker“ Robert BOYLE (1627 - 1691) bricht in seinem Buch „The Sceptical Chymist“ mit der Elementenlehr des Aristoteles, nachdem er erkannt hat, dass die darauf beruhenden Prinzipien der Alchemisten Eigenschaften und nicht Stoffe beschreiben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt Antoine LAVOISIER (1743 - 1794), dass das aristotelische „Element“ Wasser sich aus den chemischen Elementen Wasserstoff und Sauerstoff zusammensetzt. Ein Element ist seit Lavoisier ein Stoff, der sich auf keine Art und Weise mehr in andere Stoffe zerlegen lässt. Je mehr die Menschen in den kommenden Epochen von der Stofflichkeit des Wassers verstehen, desto mehr schwindet die Anschauung von seiner „geistigen Erfülltheit“, wenn auch die emotionale Bindung unausgesprochen bestehen bleibt. Ein Stoff, aus dem wir zu zwei Dritteln bestehen, der uns neun Monate lang im Mutterleib schützend umgibt, in dem wir denken, den wir essen, trinken, ausatmen, pinkeln, der uns bei größter Freude und ärgstem Leid über die Wangen fließt, dem müssen wir verbunden sein.

Heute ist einst „lebendiges“ Wasser vielfach zum rein technischen Produkt, zum toten Rohstoff verkommen. Nachdem wir die „Seele“ des Wassers bereits verloren haben, laufen wir jetzt Gefahr, auch seine Präsenz und Güte (im doppelten Wortsinne) zu verlieren. Unsere toxikologisch abgeleiteten Richt- oder Grenzwerte der Trinkwasserverordnung sind weit entfernt von der ehemals „göttlichen Reinheit“ des Wassers. Unter solchen Gesichtspunkten brauchen wir auf unsere „Vorsorgegrenzwerte“ wahrlich nicht stolz zu sein - von deren Nichteinhaltung einmal ganz abgesehen. Die Wassergier unserer Großstädte und Industrien und die allgegenwärtige Umweltverschmutzung haben die Grundwaserressourcen der Ballungszentren so sehr erschöpft und belastet, dass das kostbare Gut aus immer größeren Entfernungen herangeschafft werden muss. Riesige Grundwasserabsenkungen mit unabsehbaren Folgen für das Ökosystem sind in den betroffenen Gebieten die Folge. So dreht z. B. Frankfurt dem hessischen Ried mit seiner Wasserentnahme buchstäblich den Hahn ab - mit Grunwasserabsenkungen bis zu sechs Metern. Über lange Wege herangepumpt, sichern wir die Allgegenwart des wervollen Trinkwassers, dessen schwierige Beschaffung eins bei uns und in wasserarmen Gebieten noch heute einen großen Teil der Kräfte in Anspruch nimmt. Mit immer aufwendigeren Methoden breiten wir unser Wasser auf, aus trüben Kloaken, die einst lebendige Flüsse waren - heute Sinnbild unserer Verachtung für den Rohstoff des Lebens. Kann uns nur der in Zukunft drohende Mangel wieder zu einer früheren Wertschätzung zurückführen?